Ein berührendes „Portrait des Planeten“

© Matthias Ammer Fotografie
Mit der Eigenproduktion „Portrait des Planeten“ sprengte die Oberstufentheatergruppe ganz bewusst die Grenzen des klassischen Theaters und überraschte das zahlreich erschienene Publikum. Neben chorischen und choreografischen Sequenzen zeigten die 27 Schülerinnen und Schüler auch performative Szenen, bei denen sie mit dem Publikum interagierten. Rund um eine Arenabühne platziert, wurden die Anwesenden direkt angesprochen, in kleine Interaktionen eingebunden und mit Requisiten betraut. So fand sich das Publikum nicht in der Rolle passiver Zuschauer wieder, sondern wurde Teil des Geschehens.
Im Zentrum standen von vier uneinigen Göttern erschaffene Wesen, deren Spiel zwischen Lebendigkeit und Apathie changierte. Die Figuren erschienen dabei wie lebendige Marionetten – ein Bild, das unweigerlich Fragen nach dem eigenen Verhalten aufwarf. Trotz des geringen Dialoganteils fehlte es nicht an Leichtigkeit. Immer wieder ergaben sich kleine, präzise Beobachtungen aus dem Alltag, die dem Publikum ein Schmunzeln entlockten. Dabei vermied die Inszenierung konsequent jede Form von Belehrung. Stattdessen entfaltete sie ein vielschichtiges Panorama menschlicher Erfahrungen – von Höhen und Tiefen bis zu den unscheinbaren Zwischenmomenten.
Die Stärke des Abends lag in seiner Offenheit: Die aufgeworfenen Fragen waren hochaktuell und zugleich zeitlos. Das Stück vertraute darauf, dass Bilder, Bewegungen und Stimmungen oft mehr sagen können als Worte – und traf damit einen Ton, der sowohl ästhetisch als auch inhaltlich überzeugte.
Neben drei Aufführungen in der Mensa des HLG spielte die Gruppe dieses Jahr zum ersten Mal im Eingangsbereich des Koenigmuseums, der einen ästhetischen Rahmen für das berührende Stück bot, bei dem die Kunstwerke Königs mit den Darstellenden in einen Dialog traten. So lud der Theaterabend dazu an, die von den Jugendlichen gestellten existenziellen Fragen auf verschiedenen Ebenen zu reflektieren.
Yvonne Laczay / Elisabeth Hübner
