MINT - EC – Camp Heilbronn

MINT - EC – Camp Heilbronn oder wie ein chemischer Impuls zu einer naturwissenschaftlich-technischen Begeisterung führte
Das Science Center der experimenta in Heilbronn war mit seinen modernen und bestens ausgestatteten Laboren sowie seinen großzügigen Experimentierflächen das Herzstück unseres Forschungscamps und bot mir sowie 15 weiteren Jugendlichen aus ganz Deutschland eine wissenschaftliche Heimat an. Im „Camp Chemie von A – Z“ widmeten wir uns fünf Tage lang zentralen Themen aus der Chemie, Nanotechnologie und Energiespeicherung.
Nach einer kurzen Begrüßungs- und Kennenlernrunde machte man uns mit den Grundlagen chemischen Arbeitens vertraut. Nachdem wir alle stilecht mit weißen Kitteln und den obligatorischen Schutzbrillen versehen waren, starteten wir mit der Herstellung von Goldnanopartikeln, indem wir Goldsalz Kaliumtetrachloroaurat mit Hilfe von Tri-Natriumcitrat-Dihydrat reduzierten. Nach einer ausführlichen Größenabschätzung jener Nanopartikel mittels eines Fotometers ging es dann daran, ihre Funktionsweise als Biosensor zu bestimmen und natürlich auch die katalytischen Eigenschaften besagter Goldnanopartikel zu erfassen.
Der nächste Tag startete für uns wieder im Labor mit dem Ziel, mittels Synthese von Essigsäureanhydrid und Salicylsäure den Wirkstoff des bekannten Medikaments Aspirin®, also Acetylsalicylsäure, herzustellen. Zudem durften wir neben der Ermittlung des Schmelzbereiches mit einem Dünnschichtchromatographen auch eine Reinheitsbestimmung sowie eine Analyse der Schmerzmittellöslichkeit durchführen und selbstverständlich wissenschaftlich dokumentieren.
Am Mittwoch verließen wir unseren chemischen Diskurs und wandten uns der Energiespeicherung zu. Das Tagespensum bestand darin, eine Zinkiodid-Batterie zu bauen, gefolgt von einer Voltasäule, welche gleich einer multiplexen Testung unterzogen wurde. Erweitert wurde unsere Versuchsreihe mit einer Wasserstoffbrennstoffzelle, einem latenten und chemischen Wärmespeicher sowie einem Pumpspeicherwerk. Abgerundet wurde dieser ereignisreiche Tag mit einem spontanen nächtlichen Ausflug nach Heidelberg, verbunden mit der Besichtigung der dortigen Universität.
Etwas übermüdet, aber bestens gelaunt stellten wir uns am nächsten Tag unseren neuen Herausforderungen, beginnend mit der instrumentellen Analytik optischer Analysemethoden. Den Anfang machte die Polarimetrie, mit deren Hilfe die Polarisation von Licht sichtbar gemacht werden konnte, gefolgt von der Gelelektrophorese, welche uns half, Farbstoffmoleküle unterschiedlicher Größe und Ladung zu trennen. Im Anschluss daran lernten wir die Funktionsweise eines Refraktometers kennen, erstellten Kalibrierkurven und bestimmten den Brechungsindex eines Ethanol-Wasser-Gemisches unbekannter Konzentration. Nun machten wir uns mit der Kryoskopie vertraut, einem Verfahren zur Bestimmung der molaren Masse von Substanzen durch Messung der Gefrierpunkterniedrigung, bevor wir uns mit einem weiteren spannenden quantitativen Messverfahren, der Titration, auseinandersetzten.
Als Highlight wurde uns noch ein weiteres Erlebnis angepriesen – ein Besuch der Sternwarte! Hier wurden wir Zeugen eines beeindruckenden Spektakels. Durch ein leistungsfähiges Teleskop konnten wir beobachteten, wie sich die vier Galileischen Monde (Io, Europa, Ganymed und Kallisto) in einer geraden Linie aufreihten.
Den Freitag starteten wir alle wehmütig wieder im Labor. Die letzten Stunden widmeten wir uns der Frage, ob Aktivkohle im Klärprozess helfen kann, durch Medikamentenrückstände verunreinigtes Wasser auf Trinkwasserqualität zu reinigen. Wie an jedem Tag beendeten wir unsere Forschungen mit einem kurzen wissenschaftlichen Plenum – und an diesem Tag auch mit einer Feedbackrunde. Hier waren sich alle einig: Das MINT-EC-Camp bietet nicht nur eine wissenschaftliche Plattform für forschungsorientiertes Lernen. Es ermöglicht auch allen Interessierten, sich modernen Forschungsthemen zu widmen, praktische Erfahrungen zu sammeln und vor allem eine unvergessliche Zeit mit neuen, gleichgesinnten Freunden zu erleben!
Ich bin sehr dankbar, Teil des Camps gewesen zu sein und möchte anderen Interessierten ans Herz legen, sich ebenfalls mutig auf ein MINT-EC-Camp zu bewerben, denn den Mutigen gehört die Zukunft!
Sebastian Held

letztes Bild: ©MINT-EC
